Allerseelen

In unserem eigenen Leben erfahren wir schon, dass ein Mensch, wenn er gestorben ist, im Gedächtnis derer, die ihn gekannt und geliebt haben, noch irgendwie fortbesteht. In ihnen ist ein Stück seiner selbst lebendig geblieben. Aber freilich ist es nur ein Stück von ihm, gleichsam ein Schatten von ihm, und eines Tages werden auch diese Menschen sterben und jenes Fortleben, das sie ihm durch ihre Liebe schenken konnten, wird beendet sein. Gott aber vergeht nie und wir alle bestehen davon her, dass er uns liebt, dass er uns schöpferisch gedacht hat, so dass wir sind. In seiner Liebe gründet unsere Ewigkeit. Wen Gott liebt, der vergeht nicht mehr. In ihm, in seinem Gedenken und Lieben lebt nicht nur ein Schatten unserer selbst fort, sondern in ihm, in seiner schöpferischen Liebe, sind wir selber in unserem Ganzen und Eigentlichen für immer bewahrt und unsterblich. Seine Liebe ist es, die uns unsterblich macht, und diese Unsterblichkeit gewährende Liebe, sie ist es, die wir „Himmel“ nennen. Der Himmel ist so gar nichts anderes als eben dies, dass Gott groß genug ist, um auch für uns geringe Wesen Platz zu haben.

Papst Benedikt XVI.